Kein Anspruch auf Dankbarkeit: Worte des Bedauerns / Dankes und Zukunftswünsche im Zeugnis nicht zwingend

Die Entscheidung:

Hat der Arbeitgeber an Leistung und Verhalten des Arbeitnehmers nichts auszusetzen und scheidet dieser nicht im Unfrieden aus dem Arbeitsverhältnis aus, entstehen beim Zeugnis meistens keine Probleme. Kommt es zum Disput, wird der Arbeitgeber allerdings sehr schnell „wortkarg“. Am Ende eines Zeugnisses haben sich mittlerweile die sog. Dankes- und Zukunftsformel so sehr eingebürgert, so dass deren Fehlen immer häufiger als Indiz für Spannungen im Arbeitsverhältnis gewertet wird und das Zeugnis entscheidend entwerten kann.

Die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts war hier bislang für den Arbeitnehmer ernüchternd: Auf eine Dankes- und Zukunftsformel habe der Arbeitnehmer keinen gesetzlichen Anspruch (Entscheidung vom 20.02.2001, gerichtl. Aktenzeichen: 9 AZR 44/00; a. A. Arbeitsgericht Berlin vom 07.03.2003; Az.: 88 Ca 604/03). Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf hat im Mai diesen Jahres ein differenzierteres Bild entworfen: Arbeitgeber müssten einem Arbeitnehmer im Arbeitszeugnis zumindest dann nicht für die gute Zusammenarbeit danken und für seinen weiteren beruflichen und privaten Lebensweg alles Gute wünschen, wenn dem Arbeitnehmer eine nur durchschnittliche Leistungs- und Verhaltensbeurteilung zusteht. Der Arbeitnehmer kann in diesem Fall allenfalls eine bewertungsneutrale Schlussformulierung verlangen, etwa derart, dass der Arbeitgeber ihm für den künftigen Berufsweg alles Gute wünscht (Entscheidung vom 21.05.2008, gerichtl. Aktenzeichen: 12 Sa 505/08, nicht rechtskräftig). Zwar sei eine Schlussformel inzwischen allgemein üblich. Hieraus ergebe sich aber allenfalls ein Anspruch auf eine „bewertungsneutrale Schlussformulierung“. Selbst wenn Arbeitgeber inzwischen grundsätzlich verpflichtet sein sollte, Arbeitszeugnisse mit einer Schlussformel abzuschließen, so schuldeten sie jedenfalls bei Arbeitnehmern mit durchschnittlichen Arbeitsleistungen keinen zusätzlichen Ausdruck von Dank und Bedauern.
 
Auswirkungen auf die Praxis:
 
Die Rechtsprechung zur Dankes- und Zukunftsformel ist noch in Bewegung. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Viele Fragen sind noch offen, zum Beispiel, ob der Arbeitgeber zumindest bei einer als überdurchschnittlich bewerteten Leistung auch für den künftigen privaten Lebensweg alles Gute wünschen muss. Immerhin dürfte es Arbeitgebern, die eine Dankes- und Zukunftsformel in das Zeugnis aufgenommen haben, jetzt schon verwehrt sein, sich in Widerspruch zum restlichen Zeugnisinhalt zu setzen. Bescheinigt der Arbeitgeber also eine sehr gute Leistung (stets zu unserer vollsten Zufriedenheit), so darf er nicht formulieren: „Wir danken Frau Meier für ihre guten Leistungen...“
 
Tipp:
 
Zeugnisse enthalten immer wieder Formulierungen, die auf den ersten Blick positiv wirken, bei näherem Hinsehen aber nachteilhaft für das berufliche Fortkommen sein können. Durch das Dickicht der Zeugnissprache finden leider häufig nur erfahrene und geschulte Fachleute. Geübte Zeugnisleser, also insbesondere die Entscheider in Unternehmen, werden aber auch das Fehlen vermeintlich unwesentlicher Passagen im Zeugnis sofort bemerken. Im Zweifel empfiehlt sich eine gründliche Überprüfung des Zeugnisses.
Achtung ! Ansprüche auf Zeugnisberichtigung können nicht bis zum "Sankt-Nimmerleins-Tag" geltend gemacht werden, sie unterliegen bspw. der Verwirkung und Verjährung. Rasches Handeln ist gefragt. 
Dr. Bert Howald
Rechtsanwalt

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